• Mumie

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    Das ist sie, die Mumie, besser gesagt, der Sarkophag, dessen Anblick ich gestern Abend vermisste, weil der Laden plötzlich dunkel war. Ein Schild an dem Objekt besagt, dass es handgefertigt und zu verkaufen ist. Nun frage ich mich, ob man sich in dem Ding tatsächlich bestatten lassen könnte, oder ob es irgendwelchen deutschen oder europäischen Sargnormen nicht entspricht. Aber das finde ich noch heraus. Wenn mich etwas erst mal interessiert, gibt es kein Halten mehr. Will man nicht völlig stillos sein (und wer will das schon?), müsste man sich aber vielleicht auch einbalsamieren lassen. Und eine kleine Pyramide über dem Grab wäre auch angebracht. Ist das Errichten von Pyramiden auf deutschen Friedhöfen gestattet? Vielleicht sollte ich in eine Sterbekasse einzahlen, denn der Spaß würde nicht billig werden, und man will ja nicht irgendwann "irgendwie" entsorgt werden, ivh meine, auf eine Art, die einem, von einer höheren Warte aus betrachtet, dann überhaupt nicht zusagt. Sterbekasse ist vielleicht billiger als zusätzliche Rentenversicherung, in deren Genuss man u.U. gar nicht mehr kommt. Und man hätte etwas, worauf man sich freuen kann. Außerdem wäre es im Interesse der Kultur. Mit der Beerdigungskultur in Deutschland soll es nämlich rapide bergab gehen. Man könnte die Kosten ja vielleicht teilen, eine Annonce aufgeben: "Partner gesucht, der an meiner Seite verrotten möchte."

    Als Dreingabe hier noch ein zweites Foto, das gleichzeitig der Sammlung meiner "Spiegelbilder" hinzugefügt wird.

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    owl

  • Wegen Trauerfall geschlossen

    trauerfall

  • Kaffeebohnenschritt

    Auf der Suche nach dem "Kaffeebohnenschritt" (Dank an Phillipp) fand ich...

    Den besten Kaffee der Welt
    mit dem Verwöhnaroma

    Unglaublich! Und dazu noch Siegfrieds Schwert!

    Ralf Wokans Blog "Briefe an Konrad" erscheint mir recht lesenswert.

    Ach so, ja... der Kaffeebohnenschritt. Also, der von Phillipp ins Gespräch geworfene Begriff war mir neu. Ich stellte mir eine laufende Kaffeebohne vor - keine mit albernen Ärmchen und Beinchen, sondern eher eine, die sich, mühsam ihre beiden Hälften leicht verschiebend, vorwärts bewegt, und also Schritte, die man kaum als solche bezeichnen kann, weil in dem Gedränge der Platz mal eben zum Stehen reicht. (Ich war auch schon in einem Gedränge, bei dem ich die Füße nicht mehr auf dem Boden hatte. Schlimmer geht immer.) Alternativ stellte ich mir kleine schlurfende Schritte vor, bei denen man unter den Schuhsohlen Kaffebohnen zermahlen könnte. Tatsächlich bedeutet es aber, Fuß genau vor Fuß zu setzen, um eine Entfernung abzumessen - und das kennen wir aus der Kindheit wohl alle. Nur das Wort war mir neu und bereichert nun mein Vokabular.

    owl

  • Ich lese gerade Georg Kreisler: Letzte Lieder

    Nein, das stimmt nicht. Es müsste heißen: Ich habe gerade gelesen…
    Riskant war es freilich, das Buch zu Ende zu lesen, bevor ich es vorstelle, denn auf Seite 8 fragte ich mich, ob ich es überhaupt bis zu Ende lesen oder mich vorher umbringen würde.

    Als Kind wusste ich eins: Alles ist ein Märchen. Mein Vater ging zur Arbeit wie der Vater von Hänsel und Gretel; der Wiener Justizpalast brannte wie das Hexenhaus in Hatschi Bratschis Luftballon; und mein Großvater starb und lag in einem gläsernen Sarg wie Schneewittchen. Heute weiß ich: Ehrgeiz, Karriere, Geld, Konkurrenzkampf, das sind alles Märchen, die Wirklichkeit liegt woanders Gott hat Humor.
    Wo liegt die Wirklichkeit? Beethoven weiß Rat. Wer das nicht glaubt, soll sich einen Computer kaufen, soll vor Geld strotzen wie der Schah von Himalaya und seinen Schmerz hinausbrüllen, weil seine Träume einer nach dem anderen, zerplatzen. Die Wirklichkeit will gelernt sein. Shakespeare kannte sie, Rembrandt, Bach, sie ist mit den Händen zu greifen. Natürlich ist sie nicht wahr, aber sie ist unsere Wirklichkeit und nicht unser Märchen. Die Wahrheit ist etwas anderes.
    Von der Wahrheit muss man schweigen, über die Wirklichkeit lässt sich reden. […]

    So beginnt Georg Kreislers Autobiographie „Letzte Lieder“, und schon damit ist klar: Der Mann ist kein Zyniker. Und „Tauben vergiften im Park“…?

    Ob ich selbst Kinder habe, ist eigentlich auch eine Frage. Mein erster Sohn wurde mir im Alter von acht Jahren mit Gewalt von der Mutter weggenommen und dann mit richterlicher Erlaubnis von mir ferngehalten. Acht Jahre lang waren wir sehr fröhlich miteinander gewesen, aber das scheint er vergessen zu haben, was ich ihm nicht übel nehmen kann. Er blieb verschollen.
    Auch mein zweiter Sohn war ein fröhliches Kind; erst als Erwachsener entschloss er sich zur Flucht vor mir. Die Gründe dafür sind mir unbekannt, und wenn er meint, sie zu kennen, irrt er sich. Dasselbe gilt für meine Tochter. Ich glaube, ich sollte dankbar sein, denn sie waren reizende Kinder. Aber Kinder sind zerbrechliche Geduldspiele, die meisten Eltern spielen sie gern, und manche Kinder helfen ihnen dabei, andere nicht.
    Natürlich braucht man Lehrer, wenn man sie haben will. Auch mein Vater war mein Lehrer, aber ich entschied selbst, was ich von ihm lernen wollte. Eine Zeit lang glaubte ich bedingungslos jedes Wort, das von seinen Lippen kam, und er glaubte mir nichts. Aber ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, denn sie mühten sich redlich. Arnold Schönberg schrieb an Karl Kraus: „Ich habe von Ihnen vielleicht mehr gelernt, als man lernen darf, wenn man noch selbstständig bleiben will.“

    Das „Tauben vergiften im Park“ geschrieben zu haben, bedauert Kreisler allerdings mehr oder zumindest weit öfter in seinem Buch. Ja, dass er mit diesem Lied bis heute identifiziert wird, und mancher kaum etwas anderes von ihm kennt, verbittert ihn geradezu – wo er es doch nur mal so ganz schnell nebenbei geschrieben hatte, weil gerade in der Wiener Tagespresse viel Aufhebens um die Taubenplage gemacht wurde.

    Selten habe ich auf 160 Seiten so viel gelesen, was mir aus der Seele spricht, und so viel, was meinen heftigen Widerspruch herausfordert. Als ich am Ende angelangt und noch am Leben war, las ich das Ganze nochmals. Irgendwo musste ich etwas – entweder den Kreisler oder mich selbst - falsch verstanden haben. Aber auch nach dem zweiten Lesen war mir nur eines klar oder noch klarer: Auch diese Autobiografie ist, wie bedauerlicherweise viele Autobiografien, eine Abrechnung. Eine Abrechnung mit den Eltern mit den Kindern, mit all jenen, die einem jemals Steine in den Weg gelegt haben, oder so egoistisch waren, ohne einen glücklich sein zu wollen. Es ist eine Abrechnung mit Hollywood, mit Wien, mit Berlin, mit dem Publikum, mit all jenen, denen die Lieder besser gefallen als die Romane und Bühnenwerke.

    Vielleicht sind alle Autobiografien so, und diese zeigt es nur besonders krass. Auch ich habe mich mal autobiografisch versucht in der Form von Briefen an meinen Vater, und obwohl es nicht in meiner Absicht lag, geriet es doch mehr und mehr zur Abrechnung – in erster Linie mit meinem Vater, aber von Brief zu Brief bekamen auch immer mehr andere ihr Teil ab. Ich habe dann aufgehört, diese Briefe zu schreiben. Es genügt nicht, etwas nicht zu beabsichtigen. Man muss es nicht tun. Aber man darf auch nach dem Lesen dieses Buches die Lieder weiterhin mögen.

    kreisler_letzte_lieder
    Georg Kreisler
    Letzte Lieder
    Autobiografie
    Arche Literatur Verlag, Zürich 2009
    160 Seiten

    perlentaucher.de

  • Nicht singbares Chanson

    Du stellst Fliederzweige in die schönste Vase,
    beugst dich vor und vergräbst darin die Nase,
    doch beim Einatmen gibt es dir einen Stich,
    denn die Fliedervase duftet nur für dich.

    Du gibst dir Mühe und trägst dein schönstes Kleid,
    richtest dich her und nimmst dir vor dem Spiegel Zeit,
    möchtest gefallen, denn das ist der Sache Sinn.
    Na, dann stell dich noch mal vor den Spiegel hin.

    Wenn den Tisch mit Kerzenschimmer du bereitest,
    zögerst du zwar, doch dann stellst du noch ein zweites
    Glas darauf und schenkst in beide ein,
    doch aus beiden Gläsern trinkst du dann allein.

    Vor dem Zubettgehen bürstest du dein Haar,
    und vor dem Einschlafen denkst du, was einmal war,
    dann musst du nur zwei Finger noch zum Munde führen
    und fest dran glauben, dass zwei Lippen dich berühren.

    Und bist du dann in der Nacht,
    weil der Vollmond scheint erwacht,
    streck die Hand aus, und dann merkst du bald,
    dort wo du nicht liegst, da ist das Laken kalt.

    olivenzweig

  • Kurz-Krimi

    Schweigepflicht

    Kurz-Krimi unter Verwendung der von erice beigesteuerten Wörter Flohleiter, Einladung, Keilriemen und Maske

    Er biss sich auf die Unterlippe, lehnte sich dann auf dem Besucherstuhl zurück, in dem Versuch, sich zu entspannen, oder zumindest doch den Eindruck zu geben, doch als er merkte, dass seine Hände die Armlehnen umklammerten, wie sie es sonst nur beim Zahnarzt taten, beugte er sich wieder vor und verschränkte die Finger zwischen seinen Knien. Nur weil ein Sprechzimmer so heißt, bedeutet das nicht, dass es leichter fällt, dort zu sprechen. Mit einem Fremden mag man in einem Zugabteil leicht ins Gespräch kommen, oder in einer Bar. In einem Sprechzimmer vor einem Schreibtisch sitzend, auch wenn der Mann hinter dem Schreibtisch einem in einem Zugabteil oder in einer Bar gleich sympathisch gewesen wäre, fällt es nicht leicht. Der Umstand, dass der Stuhl neben ihm leer war, machte es nicht besser. Draußen im Wartezimmer hatte außer ihm ein Paar gewartet, und aus dem Sprechzimmer war ein Paar getreten, bevor er herein gebeten worden war. Partnerberatung nannte sich das, was hier angeboten wurde. Und er war allein gekommen.

    Der Mann hinter dem Schreibtisch lächelte jenes berufsmäßige, aufmunternde Lächeln, das langsam verging und einem Ausdruck ebenso berufsmäßigen Interesses wich. „Erzählen Sie ruhig“, sagte er. „Fangen Sie an, wo Sie wollen.“
    Er räusperte sich. „Ich müsste weit ausholen, um das richtig zu erklären.“
    „Das macht nichts.“
    „Also, angefangen hat es mit einer Strumpfhose, und im Grunde hört es damit auch auf.“
    „Bleiben wir erst mal beim Anfang.“
    „Ich hatte eine Einladung zu einer Gartenparty. Ein paar der Gäste kannte ich, anderen war ich noch nie begegnet. Darunter eine Frau, die mir auf den ersten Blick sehr gefiel. Genau mein Typ. Groß, schlank aber nicht zerbrechlich. Eher sportlich. Dunkle Locken. Komischerweise schien auch ich ihr zu gefallen.“
    „Warum komischerweise?“
    „Na, ich bin wohl eher ein durchschnittlicher Typ. Jedenfalls passiert es nicht oft, dass Frauen sich gleich für mich interessieren. Sie aber schaute immer wieder zu mir her, noch bevor wir ein Wort miteinander geredet hatten. Und als ein Stuhl neben mir frei wurde, kam sie rüber und sagte, wir wären ja noch gar nicht miteinander bekanntgemacht worden. Wir stellten uns vor. Sie hieß Ellen. Und dann setzte sie sich neben mich, und gleich beim Hinsetzen zerriss sie sich die Strumpfhose an dem Gartenstuhl. Ich dachte: Was für ein verfluchtes Pech. Eine zerrissene Strumpfhose kann einer Frau ganz schön die Laune verderben. Und erst sah es auch so aus. Sie stand auf und betrachtete sich den Schaden. In dem Moment ging eine Andere gerade vorbei, die sie wohl kannte, und sagte: „Schöne Flohleiter.“ Und sie sagte: „Flohleiter? Das ist schon eher eine Froschleiter.“ Und die Andere sagte: „Dann sorg mal für Sonnenschein unter dem Rock, sonst klettert kein Laubfrosch da rauf.“ Darüber musste sie lachen. Und ich, bloß um auch was zu sagen, fragte: „Na, ist das Wetter wieder schön?“ Sie ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort, schaute mich aber an. Und dann sagte sie: „Kommt drauf an, was für Wetter man mag. Es ist eher feucht.“ Und dabei fuhr sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Na, Sie wissen wahrscheinlich, wie ein Mann auf so was reagiert.“
    Der hinter dem Schreibtisch schwieg.
    „Wir sind dann nicht mehr sehr lange auf der Party geblieben. Sie war mit einem Taxi gekommen, und als sie sagte, sie wollte sich eines rufen lassen, bot ich ihr an, sie nachhause zu fahren, obwohl sie nicht in meine Richtung musste, sondern am entgegengesetzten Ende der Stadt wohnt. An dem Abend wäre ich sonst wie weit gefahren. Aber ich hatte damals einen alten VW. Unterwegs riss der Keilriemen. Das war das zweite Mal an dem Abend, dass ich verfluchtes Pech zu haben schien, und zum zweiten Mal erwies es sich als Glücksfall. Sie sagte, ihre Strumpfhose sei sowieso hin, und sie hätte mal gehört, dass man damit zur Not einen Keilriemen ersetzen könnte. Und gemeinsam schafften wir das tatsächlich. Als wir bei ihr angekommen waren, sagte sie, dass unser Notbehelf den langen Weg zu mir vielleicht doch nicht überstehen würde, und ob ich nicht lieber bei ihr übernachten wollte. Ganz in der Nähe gäbe es eine Reparaturwerkstatt. Da könnte man am nächsten Morgen einen richtigen Keilriemen bekommen. Und da musste sie mich natürlich nicht lange überreden.“
    „Verstehe“, sagte der Therapeut. „Das war also der Anfang.“
    „Ja. Oder vielmehr, nein. Das war nur der Anfang vom Anfang. Das Seltsame, also das, was dann irgendwann ein Problem wurde, kommt erst noch.“
    „Erzählen Sie ruhig.“
    „Wir sind dann in ihre Wohnung rauf. Es lief so, wie ich es erwartet hatte. Wir hatten beide Lust drauf. Natürlich sind wir nicht sofort ins Bett gesprungen. Sie war in ihr Schlafzimmer gegangen, hatte sich eine andere Strumpfhose angezogen, und wir saßen dann noch eine halbe Stunde oder so im Wohnzimmer und haben was getrunken. Ich musste ja nicht mehr fahren. Und danach, als wir dann im Schlafzimmer waren… Jedenfalls zog ich ihr die Strumpfhose aus. Wir haben noch mal über die Geschichte mit dem Keilriemen gelacht. Und ich weiß gar nicht, wie wir plötzlich auf Masken und Banküberfälle kamen. Wir alberten eben so rum, hatten beide einen Schwips. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, dass Ellen als Kassiererin in einer Bank arbeitet. Jedenfalls sagte sie plötzlich, ich sollte mir die Strumpfhose mal über den Kopf ziehen. Sie wollte wissen, wie das aussieht. Ich habe es gemacht. Und in dem Moment, kaum dass sie mich angeschaut hatte, wurde sie so was von…“ Er brach ab und wartete darauf, dass der Therapeut sagte, er habe schon verstanden. Aber er schaute ihn nur aufmerksam abwartend an.
    „Jedenfalls wollte sie es dann immer so. Sie sagte, das mache sie unglaublich an. Und das tat es wohl auch. Sie war… Ich meine, sie kam dann wirklich in Fahrt. Das gefiel mir, und deshalb habe ich mich wohl auch immer wieder darauf eingelassen. Obwohl es nicht angenehm war. Haben Sie sich schon mal einen Strumpf übers Gesicht gezogen?“
    „Nein. Ich stelle es mir auch nicht sehr angenehm vor. Aber wir wollen ja über Sie reden.“
    „Na, man bekommt nicht besonders gut Luft, weil die Nase so plattgedrückt wird. Und in solchen Momenten ist das besonders unangenehm. Und dann war da noch was. Ich durfte nichts sagen, Sie wollte immer, dass ich möglichst überhaupt keinen Ton von mir gab.“
    „Hat sie sich mal dazu geäußert, warum ihr das so gefiel?“
    „Nein. Ganz im Anfang, habe ich sie mal gefragt. Aber sie sagte nur, das wisse sie selbst nicht. Aber es machte sie eben an. Und ich hätte vielleicht immer so weiter gemacht, wenn ich mich nie so gesehen hätte. Das war aber erst vier Monate später. Da musste ich danach mal schnell raus. Ich hatte mir noch nicht mal den Strumpf vom Kopf gezogen. Und da sah ich mich im Badezimmerspiegel. Ich sah grässlich aus. Grässlich und gleichzeitig lächerlich. Ich verstand plötzlich nicht mehr, dass sie mich so sehen wollte. Ich habe dann noch ein paar Mal versucht, ihr den Gefallen zu tun. Aber es ging nicht mehr. Ich sah mich immer selbst. Ich konnte nicht.“
    „Haben Sie ihr das erklärt?“
    „Ja. Jedenfalls habe ich es versucht. Aber sie weigerte sich, mit mir zu schlafen, wenn ich mir keine Strumpfhose über den Kopf ziehen würde.“
    „Sexualität ist nicht unwichtig, aber auch nicht alles in einer Beziehung. Würden Sie sagen, dass ihre Beziehung sonst in Ordnung ist?“
    „Ja, wir verstehen uns sehr gut. Das ist es ja. Sonst könnte man sich einfach trennen. Aber ich liebe meine Freundin wirklich. Nur so ganz ohne Sex… Ich habe auch Angst, dass sie sich jemanden sucht, der ihr Spiel mit ihr spielt.“
    „Macht sie Ihnen Vorwürfe, weil Sie nicht mehr dazu bereit sind?“
    „Vorwürfe ist zu viel gesagt. Aber sie ist enttäuscht, das merke ich.“
    „Ich fürchte, wir werden nicht weiter kommen, solange ich nicht auch mit Ihrer Freundin sprechen kann. Denken Sie, sie wäre bereit, mit Ihnen herzukommen?“
    „Ich weiß nicht.“
    „Reden Sie mit ihr. Schlagen Sie ihr das vor. Wenn es ihr lieber ist, kann sie natürlich auch allein kommen. Aber sprechen müsste ich mit ihr schon, wenn wir eine Lösung finden wollen.“

    Es war sein erster und letzter Besuch in der Praxis. Wochen vergingen, und der Therapeut hatte den Patienten und das Gespräch schon fast vergessen, als er eines Morgens diesen Zeitungsbericht las:

    Banküberfall in der Schlossstraße
    Gestern Nachmittag, gegen 16 Uhr, wurde die Filiale der Vereinsbank in der Schlossstraße überfallen. Ein einzelner Täter, der sich mit einem Strumpf maskiert hatte, schoss dabei auf die Kassiererin Ellen P. und verletzte sie tödlich. Der Mann entkam unerkannt und ohne Beute. Zeugenaussagen zufolge, muss der Bankräuber in Panik geraten sein, denn die Kassiererin hätte nicht einmal Gelegenheit gehabt, auf die Geldforderung zu reagieren, bevor der tödliche Schuss fiel. Die Kriminalpolizei ermittelt.

  • Keywords

    keywords

    Wäre dies ein Screenshot, den ich vor, sagen wir mal, einem Jahr von den Keywords in meiner Blogstatistik gemacht hätte, wäre das zwar auch nicht wirklich okay, aber ich würde erst mal nichts sagen. Es ist aber ein Screenshot von heute, und meine Verwunderung nimmt so langsam Ausmaße an, dass ich ihr Ausdruck verleihen muss.

    Wären es die Keyword für irgendwessen Blog, würde ich sagen: Was für ein Themen-Chaos! Aber den Vorwurf (wenn es denn als Vorwurf gemeint wäre) müsste ich auf mir sitzen lassen. Ich habe in diesem Blog wirklich schon über alles Mögliche und einiges Unmögliche geschrieben. Etwas aufgeräumt habe ich wohl erst im Lauf der letzten Monate. Das "Weihnachtsdessert" existiert als Eintrag schon längere Zeit nicht mehr. Dass mein Blog unter diesem Schlagwort am häufisten gesucht und gefunden worden sein soll, ist schon seltsam. Schreibe ich hier ein Kochbuch?
    "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust" lasse ich gelten. (Das kommt mir überhaupt immer häufiger so vor.) Aber "Strumpfhosen" ??? Und "devote Männer" ?????? - Ich habe irgendwann mal geschrieben, dass ich Strumpfhosen unerotisch finde, und mit devoten Männern kann ich wenig anfangen. Ich erinnere mich nicht, das schon mal geschrieben zu haben. Muss aber wohl. Nur dass dieser Suchbegriff unter den Top-10 rangiert, kann nur ein Witz sein.

    Vor allem aber bezweifle ich, dass es sich hier um die Keywords der letzten 30 Tage handelt, denn a) sind die relevanten Einträge schon länger nicht mehr online, und b) hatte ich im Oktober gar nicht so viele Besucher.

    Kann irgendwer Auskunft darüber geben, ob diese Statistik ab und zu mal aktualisiert wird?

    ACHTUNG !!!

    Ich lasse die Kommentare zwar offen, denn ich habe ja eine Frage gestellt, aber es ist absehbar, dass der Eintrag nicht ewig hier stehenbleiben wird - schon damit die oben angeführten Suchbegriffe hier nicht weitere Irregeleitete anlocken. Echauffiert Euch mit Euren Antworten also nicht allzu sehr.

    owl

  • Ich lese gerade Edward P. Jones: Die bekannte Welt

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    Die bekannte Welt
    von Edward P. Jones
    aus dem Amerikanischen übersetzt von Hans-Christian Oeser
    erschienen am 1. August 2005 bei Hoffmann und Campe, Hamburg
    448 Seiten, gebunden
    ISBN: 978-3-455-03696-1

    So einfach kann eine Liebesgeschichte sein und doch so anrührend, selbst wenn sie mit spröden Worten erzählt wird:

    Zwei Wochen später, es war wieder Sonntag, Moffett war gekommen, hatte gepredigt und war wieder gegangen, traf Elias auf Celeste, die Luke in den Armen hielt. Sie stand in der Nähe der Felder, und der Junge schluchzte. Als sie aufsah und Elias erblickte, war sie nicht eben erfreut, erinnerte sie sich doch daran, wie er sie beobachtet hatte, als sie umherhinkte.
    „Luke, mein Junge, was fehlt dir?“ fragte Elias. Einen Moment lang dachte er, Celeste habe ihn geschlagen und gleich darauf bereut, was sie getan hatte. Aber die Art, wie sie die Arme um den Jungen schlang, zeigte ihm, daß sie ihm nicht weh getan haben konnte. Während der Zeit, die er mit dem Jungen verbracht hatte, war Luke ihm ans Herz gewachsen wie nur irgendein Mensch. „Luke, mein Junge, sag Elias, was dir fehlt. Wer hat dir weh getan? Sag’s Elias, wer.“
    Celeste antwortete: „Ich glaube, er vermißt seine Mama. Ein Junge kann seine Mama vermissen. Ein Mädchen kann seine Mama vermissen. Ich habe ihn unter dem Baum da gefunden, wo er sich die Augen ausgeweint hat.“ Sie wollte nicht, daß Elias, der heimliche Gaffer, näher trat, aber er tat es trotzdem und legte dem Jungen die Hand auf den Kopf. Fast berührte er ihre Handgelenke. „Luke“, sagte sie, „ich werde deine Mama sein. Ich werde dir eine Mama sein, so gut ich’s kann.“
    Bald darauf beruhigte sich der Junge. Celeste sah erst auf Elias’ Hand, dann zu ihm auf. Ein Sturm braute sich zusammen, deswegen hatte Elias nach dem Jungen gesucht. Dieser spielte gern im Regen und fürchtete sich nicht davor, von einem Blitzschlag getötet zu werden. Jetzt setzte der Regen ein, ein neckender Regen, weiche Tropfen in großen Abständen. Ein durstiger Spatz hätte das Köpfchen zurücklegen und die Tropfen genießen können, ohne befürchten zu müssen, daß er ertrank. Celeste betrachtete einen großen Regentropfen auf Elias’ Hand, die Lukes Kopf bedeckte, und sah, wie sich zwei weitere Tropfen hinzugesellten. Ein Donnergrollen war zu hören, aber es kam von weit weg, von der anderen Seite der Berge. Celeste sagte: Wir sollten ihn aus dem Schlamassel wegschaffen.“ Sie wagte es, dem Mann ins Gesicht zu schauen. „Ja, das sollten wir.“

    => Lies mehr!

  • Rezension / Rezession

    marionette_zauberbuch

    Der Buchhandel klagt. Aber über die wirtschaftliche Rezession klagen ja alle und machen Gott und die Welt verantwortlich. Ich kann da nur sagen: Gott war es in diesem Fall nicht.

    Der Buchhandel leidet nicht nur (auch) unter der Rezession und bezichtigt vor allem das Internet, dazu beizutragen, sondern Bücher sind auch Gegenstand von Rezensionen, und solche finden sich (auch) im Internet und können den Verkauf eines Buches durchaus fördern, wenn es sich um gute Kritiken handelt.

    Ich schreibe nicht nur, sondern ich lese auch, und da liegt es nahe, dass ich auch über das schreibe, was ich lese. Das Problem dabei ist weniger, dass ich nicht Literaturwissenschaft studiert habe (das muss man nicht, um ein Buch gut oder schlecht zu finden), sondern dass ich Buchempfehlungen allgemein heikel finde. Ich sage das aus der Sicht desjenigen, dem schon oft Bücher wärmstens ans Herz gelegt wurden, und der sich dann winden musste, dem wohlmeinenden Ratgeber zu erklären, warum ich diese Bücher nicht, oder zumindest noch nicht oder nur halb gelesen und die Lektüre dann abgebrochen habe, wenn ich nicht Begeisterung heucheln will, wo keine ist. Um ein Buch zu empfehlen, muss man denjenigen, dem man es empfiehlt a) ziemlich gut kennen, b) nicht die eigenen, sondern die Interessen des Anderen im Auge haben, was im Zustand der noch anhaltenden eigenen Beigeisterung über ein gerade gelesenes Buch erfahrungsgemäß weniger der Fall ist, und c) den richtigen Moment abpassen, denn natürlich kann einem ein und dasselbe Buch zu einem Zeitpunkt mehr und zu einem anderen weniger zusagen, abhängig von der Stimmung, den Problemen, mit denen man sich gerade herumschlägt und der Menge und Qualität von Zeit, die zum Lesen zur Verfügung steht. Eine lange Bahnfahrt, ein Faulenzerurlaub am Strand und die halbe Stunde vor dem Einschlafen sind einfach nicht dasselbe. Und so haben sehr daneben geratene Buchempfehlungen mich schon zum Nachdenken über eine zwischenmenschliche Beziehung gebracht.

    Bei dem Thema fällt mir immer eine etwas kuriose Begebenheit ein. Vor Jahren traf ich jemanden wieder, den ich vor noch mehr Jahren an einem weit entfernten Ort kennen gelernt hatte, und die (seiner Meinung nach geradezu schicksalhafte) Verkettung von Umständen, die zu diesem Wiedersehen geführt hatte, war uns Anlass genug, uns auf einen Drink zu verabreden. Bei aller vermeintlichen Schicksalhaftigkeit haftete der Geschichte nicht der leiseste Duft von Romantik an. Wir redeten also über eben jene Umstände des Wiedersehens, dann über seine Pläne für die Zukunft und schließlich über dieses und jenes und kamen auch auf Bücher. Bei Büchern, so meinte dieser schicksalsgläubige Mensch, müsse man sehr darauf achten, wie sie zu einem kämen. Keinesfalls sollte man Buchgeschenke annehmen oder auf Buchempfehlungen hören von Menschen, deren Charakter undurchsichtig ist oder an deren Wohlwollen man den leisesten Zweifel habe, denn, so sagte er, Bücher übten eine Macht aus, die man nicht unterschätzen dürfe. Das klang für mein Empfinden damals so sehr nach „bösem Buchzauber“, dass ich recht erleichtert war, als wir uns voneinander verabschiedeten. Trotzdem ging mir das Gesagte nicht aus dem Kopf. Natürlich können Bücher unser Denken beeinflussen, und natürlich wäre es theoretisch möglich, jemanden durch geschenkte oder empfohlene Bücher zu manipulieren, immer vorausgesetzt, dass eine solche Absicht verfolgt wird. – Nun, Manipulation liegt mir fern. Ich bin eher der spontan reagierende Mensch, der erst hinterher merkt, ob und was er mit seiner Spontaneität bewirkt hat. Es bleibt aber die Tatsache, dass persönliche Buchempfehlungen eine sensible Angelegenheit sind. Das trifft zwar nur sehr eingeschränkt auf für die Öffentlichkeit geschriebene Rezensionen zu, dennoch will ich es anders machen - nicht zuletzt auch, weil ich glaube, dass es mir so mehr Spaß macht.

    Ich werde aus Büchern kurze Texte zitieren – das können Szenen, Landschafts- oder Charakterbeschreibungen, die Darstellung eines Problems oder auch nur einige mir sehr gelungen erscheinende Formulierungen sein. Ich werde nichts bewerten und nichts empfehlen. Wer durch die Zitate zum Kauf des Buches angeregt wird, tut dies auf eigene Verantwortung. Eigenverantwortung ist mir nämlich wichtig. Bei Schicksalsfäden denke ich immer an Marionetten, und die gefallen mir nur im Puppentheater.

    owl

  • Süßes oder… !!!

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    Vorhin beim Einkaufen hatte ich noch überlegt, ob ich nicht doch ein paar Süßigkeiten mitnehme, falls heute Abend Monster an meiner Tür klingeln sollten, und mir Saures androhen, wenn sie nichts Süßes bekommen. Aber in den vergangenen Jahren war es immer nur die Gewichtszunahme, die mir drohte, weil ich das Zeug schließlich selbst essen musste. Hier wird nicht gespukt und kein Schabernack getrieben. Also habe ich nichts gekauft, bin nachhause gegangen und dann runter in unsere Waschküche (für fünf Mietparteien, von denen nur vier diese Einrichtung nutzen, zwei davon ich und mein eigen Fleisch und Blut), habe meine Klamotten in die Waschmaschine gesteckt, bin wieder rauf, habe die Einkäufe weggeräumt, die Katze gebürstet und gefüttert, das Bett frisch bezogen (um nach den Klamotten gleich die Bettwäsche zu waschen und so das eingeworfene Geld besser zu nutzen), mich dann an den Computer gesetzt und etwas zu dem Buch, das ich gerade lese recherchiert, und dann klingelte auch schon mein Handy, und erinnerte mich daran, dass ich die Waschmaschine wieder ausräumen musste. Ich bin also wieder in die Waschküche runter, und als ich gerade die ersten feuchten Sachen aus der Luke zog… platsch! … landete das, was ich im Foto oben festgehalten habe, auf den Fliesen.

    Ich muss gestehen, dass ich für einen Moment reglos und einigermaßen entsetzt darauf starrte, und auch als ich sicher war, dass es sich nicht plötzlich bewegen würde, ja, das es nichts war, was sich jemals hatte bewegen können, hob ich es vorsichtshalber mit einem Stück Küchenkrepp auf. WER WAR DAS???!!!

    Töchterchen scheidet als Verursacher aus. Sie war zwar gestern schon auf einer Halloween-Party, war also meine Hauptverdächtige, denn es hätte ja sein können, dass sie das Ding mitgebracht hat, vielleicht auch unwissentlich in einer Jacke vergessen, die sie heute gewaschen hat, aber sie hat heute gar nichts gewaschen, fand das Krabbelviech und den Umstand dass, jemand es zu Halloween in die Waschmaschine gesteckt hat, jedoch sehr lustig. Die letzte Eintragung im Waschprotokoll (!!!) stammt von dem Türken unter mir, den ich allerdings für einen ausgesprochen humorlosen Menschen halte. Und schon dass ein Waschprotokoll geführt wird, besagt, wie viel Spaß mein Hauswirt versteht, wenn es um die Nutzung dieser Waschmaschine geht. Der war es auf keinen Fall. Bliebe noch die Betreiberin des Kosmetikstudios gegenüber der Waschküche. Kosmetik und Krabbelviecher? Passt das? Grübel, grübel….

    Nachtrag:

    Ach, du meine Güte! Ich hätte die Kommentare abschalten sollen, schreibe ich doch Texte wie diesen in dem vollen Bewusstsein, dass sie früher oder später (in letzter Zeit eher früher) einer Blog-Aufräumaktion zum Opfer fallen und damit natürlich auch die Kommentare. Ich entschuldige mich also schon jetzt bei denjenigen, deren Worte der Nachwelt nicht erhalten bleiben werden, nur weil ich meine eigenen für nicht erinnerns- und nachlesenwert halte. Für grundsätzliche Statements zu den diversen Festen und Feiertagen dieser Jahreszeit wären übrigens hier Einträge, die weniger gefährdet sind, von mir bei der nächsten Gelegenheit weggeputzt zu werden:

    Halloween und Allerheiligen
    pietas
    Mexiko: Día de Muertos

    Ansonsten wünsche ich Euch einen alles heilenden Sonntag.

    owl

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